Gedanken eines Blattes


Hier liege ich, ein Blatt. Einsam, von meinen Artgenossen verlassen und von feuchtem Gras umringt harre ich der Dinge. Ich fühle mich fremd in dieser neuen Umgebung, so als wenn grüne Krakenarme nach mir greifen würden und mich vertreiben wollen. Wenigstens zeige ich den Greifern wie schön ich doch bin und wie meine Farben harmonisch leuchten. Aber wie lange noch, frage ich mich? Wie lange bleibt mein Antlitz erhalten und kann beeindrucken? Bald werde ich grau und tauge nur noch als Humus. Also genieße ich meine, wenn auch kurzweilige Schönheit und siehe da, ein Fotograf wurde auf mich aufmerksam. Also bin ich doch noch etwas wert. Schon sind meine Sorgen verflogen und ich würde vor Freude hüpfen, wenn ich könnte. Allerdings hätte ich dann dem Fotografen das Motiv versaut und das möchte ich nun auch wieder nicht. Also bleibe ich hier liegen, so wie ich bin, mache ein farbenfrohes Gesicht und schaue was die Zeit noch alles so bringt.

6 Gedanken zu “Gedanken eines Blattes

      1. Schön, wenn du von solchen poetischen Anfällen ab und an überfallen wirst. Mir hat es jedenfalls gefallen. Die Interpretation habe ich nicht als allzu schwierig empfunden. Aber stimmt, jede/r kann etwas anderes herauslesen.
        LG Hubert

        Gefällt 2 Personen

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