nur ein Regentropfen


Der erste dicke Tropfen schlug
– es war wie Blut – mir auf die Hand.
Da ich den Himmel und das Laub verstand,
Schien nur das Publikum mir wie Betrug.

Ein Tropfenwitz traf meinen Wein.
Das Publikum mit fetten Torten
floh unter neckisch dünnen Worten
vom Garten in das Haus hinein.
Ich Dummplikum blieb ganz allein.

Erst als der Kellner mir das Tischtuch kündigte,
Bemerkte ich, wo falsch, wo echt ich sündigte,
Ging auch ins Haus und übersann vergnügt:
Wozu ein Regentropfen schon genügt.

(Ringelnatz „der Regenschauer“)

40-40b075c-Regentropfen(Schloss Bad Wilhelmshöhe, Kassel)

2 Gedanken zu “nur ein Regentropfen

  1. Elisabeth Berger

    Schön😄😄😄
    Als ich das Gedicht eben las, fiel mir gleich unser Samstagabend im Biergarten ein☺️ Auch wir Dummplikum blieben sitzen, so lange der Kastanienbaum die Tropfen abhielt!
    LG Elisabeth

    Gefällt 1 Person

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