Verkehrte Welt?


Kennt ihr die Geschichte von Malermeister Pinselkleks und Bäcker Pulvermehl? Nein? Nun gut, dann will ich sie euch mal erzählen, wobei ich darauf hinweise, dass Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen rein zufällig wären 😉

Malermeister Pinselkleks wohnt zusammen mit seiner Familie in einem kleinen Ort mit rund 3.000 Bürgern irgendwo in Deutschland. Bäcker Pulvermehl wohnt im gleichen Ort, war bislang in einer Großbäckerei angestellt, möchte sich aber in Zukunft selbstständig machen um seine Brötchen und andere Backwaren auf eigene Rechnung verkaufen zu können. Beide Männer sind nicht befreundet, kennen sich nur beiläufig und bis auf ein gelegentliches kurzes Grüßen haben sie bislang nichts miteinander zu tun gehabt.

Die Wohnung von Bäcker Pulvermehl ist renovierungsbedürftig und er hat Bedenken, dass seine zukünftigen Kunden aufgrund des Zustandes seiner Räume Rückschlüsse auf die Hygiene seiner Backwaren ziehen könnten. Folglich bittet er Malermeister Pinselkleks, seine Wohnung und die zukünftigen Verkaufsräume neu zu tapezieren, um einen sauberen angenehmen Beginn seiner neuen Tätigkeit zu gewährleisten. Also nach dem Motto: „Zeige mir deine Tapeten und ich sage dir wie du bäckst.“

Da Malermeister Pinselkleks ein netter Mensch und ihm Bäcker Pulvermehl sympathisch ist, möchte er für seinen Aufwand nicht entlohnt werden. Er tut eben seinen Mitmenschen gerne mal einen Gefallen und außerdem ist Tapezieren und Streichen ohnehin sein Hobby. Stundenlang tapeziert er also mit unermüdlicher Intensität und Sorgfalt die Wohnung und Verkaufsräume von Bäcker Pulvermehl, zieht die Tapeten-Bahnen kreuz und quer, streicht die Decken mit frisch duftender Perlweißfarbe und beendet seine Arbeiten professionell und zur vollsten Zufriedenheit aller.

Und wie reagiert Bäcker Pulvermehl? Nicht etwa, dass er Malermeister Pinselkleks wenigstens für einen gewissen Zeitraum kostenlose Backwaren anbietet, nein, er sagt: „Mein lieber Malermeister Pinselkleks, vielen Dank für deine Mühen. Als Dankeschön darfst du bei mir die Brötchen und den Kuchen zum Sonderpreis kaufen.“

Hä? Ihr habt richtig gelesen! Bäcker Pulvermehl hat Malermeister Pinselkleks als kleines Dankeschön für seinen Aufwand nicht etwa ein paar Brötchen geschenkt, sondern hat versucht, sich gleich seinen ersten Kunden und seine ersten Verkaufserlöse zu sichern.

So etwas Ähnliches ist mir kürzlich tatsächlich passiert. Ich tue jemanden einen Gefallen, arbeite für ihn stundenlang und kostenlos und als Dank dafür bietet er mir seine Dienste gegen Bezahlung an und reagiert teilweise sogar noch kauzig.

Leben wir heute vielleicht in einer verkehrten Welt, in der man sich auch noch dafür bedanken muss, jemanden einen Gefallen getan zu haben? Leben wir in einer Welt, in der die Opfer- und Täterrollen vertauscht werden? Steht nicht nur dieses Haus kopfFoto-54c-(49)-verkehrt, sondern auch die Werte unserer Gesellschaft? Was sollen denn die Kinder von uns denken, wenn wir ihnen suggerieren, dass die Schafe von Geburt an blau sind? Foto-018b-(04)-verkehrt Sicherlich, so lange die Bäume nicht auf den Kopf stehen und nur die Menschen einen Kopfstand machen, ist dagegen nichts einzuwenden, solange er Spaß macht und ein Lächeln ins Gesicht zaubert. 23-24b078-verkehrt Aber leben wir mittlerweile in einer verkehrten Welt, oder sind wir mit den immensen Geschehnissen, mit denen wir konfrontiert werden, überfordert, so dass wir Veränderungen nicht mehr verstehen? Manchmal habe ich in dieser Hinsicht wirklich meine Bedenken, ob heute noch alles mit rechten Dingen zugeht und ob die heutige Denkensweise unserer Mitmenschen noch in Ordnung ist.

6 Gedanken zu “Verkehrte Welt?

  1. Du sprichst mir aus dem Herzen. Ich erlebe es auch oft, dass Werte heutzutage nicht mehr gefragt sind und man sich fast noch entschuldigen muss, wenn man etwas Gutes tut. Mit den Worten Danke und Bitte tuen sich auch viele sehr schwer. Wo sind nur die guten Manieren geblieben? Vielleicht sollte man den Knigge im Schulunterricht wieder einführen. 😉

    Ich wünsche dir und deiner Frau einen guten Star in das Neue Jahr 2016 ?

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  2. Elisabeth Berger

    Da möchte ich dir voll und ganz zustimmen!

    Traurig, wie der Werteverfall fortschreitet. Manchmal denke ich, daß ich in dieser Welt hier inzwischen verkehrt bin. Freue mich gigantisch, wenn jemand „Bitte“ und „Danke“ sagt oder grüßt. Dabei sollte das im menschlichen Miteinander der Normalfall sein. Es wird auch seltener, daß ein Lächeln erwiedert wird. Dabei könnte das Leben so schön sein, wenn wir achtsamer und liebevoller miteinander umgingen. Ähnliches wie dir und dem Maler Pinselklecks ist mir auch schon passiert. Schlimm, diese werdende „Nur-Ich-Ellenbogengesellschaft“.
    In jungen Jahren hatte ich einen Aufkleber auf meiner 2 CV-Ente: „Stell‘ dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin!“ Jetzt könnt’s auch noch heißen: „Stell‘ dir vor, jetzt brechen wieder humanere Zeiten an und alle machen mit!“

    LG Elisabeth

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    1. Du hast mit deinen Worten nicht nur „den Nagel“ auf den Kopf getroffen, sondern auch den Kern. Bitte, danke sagen und gutes Benehmen ist heutzutage eine Rarität. Dennoch gibt es einige junge Leute, die beherrschen das von Anfang an und zwar ohne, dass man es ihnen gesagt hat (z. B. mein Enkelkind), und das gibt wiederum Hoffnung auf bessere Zeiten und besseres Benehmen. Vielleicht muss erst einmal wieder etwas Schlimmes passieren, damit der Mensch wieder zur Vernunft kommt, was wir natürlich nicht herbeiwünschen wollen. LG Alexander

      Liken

      1. jenausj

        Ihr alle sprecht mir aus der Seele. Der Umgang miteinander ist oftmals ziemlich rüde geworden. Das gefällt mir gar nicht. Ein freundliches Wort ist nicht schwer und macht das Miteinander viel leichter. Meine Kinder sind so erzogen worden und auch mein Enkelkind (1 1/2) sagt schon bitte und danke.

        Gefällt 2 Personen

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