Großer kleiner Hunger


Sicherlich hat der gefräßige Käfer einen weitaus größeren Appetit, als diese kleinen zarten Insekten.
Das ging mir kürzlich auch so, als ich während einer weit ausgedehnten Radtour einen plötzlichen Hungeranfall bekam, obwohl ich schon meine übliche Ration verzehrt hatte. Ich steuerte mit dem Rad den nächsten Ort an, in dem sich eine Metzgerei mit Restaurant befand. Meistens bedeutet diese Konstellation auch gutes Essen, dachte ich mir. Das Restaurant war brechend voll. An einem Tisch mit zwei Stühlen saß ein etwas untersetzter Herr (so wie ich) mittleren Alters und ich fragte, ob ich mich zu ihm setzen dürfe. Er bejahte es und als der Ober kam, bestellten wir rein zufällig das gleiche Gericht, und zwar ein Wiener Schnitzel mit Pommes.
Wenig später servierte der Ober die beiden Gerichte und entschuldige sich, dass er die Schnitzel versehentlich auf einen Teller gelegt hatte. Er dachte wohl, wir gehören zusammen. Leider waren die Schnitzel von deutlich unterschiedlicher Größe, so dass ich mir sofort – ich hatte ja schließlich einen enormen Hunger – das größere nahm. Mein Gegenüber hat das überhaupt nicht gefallen und er sagte ziemlich entrüstet, dass es ja eine Unverschämtheit sei, dass ich mir einfach das größere genommen habe.
Ich fragte darauf hin, welches er denn genommen hätte und er erwiderte: „Natürlich das kleinere.“ Folgedessen sagte ich, dass dann doch alles in Ordnung sei und warum er sich denn so aufrege.
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